Neue Führung für Deutschen Rugby-Verband

Der Deutsche Rugby-Tag, die Hauptversammlung des Deutschen Rugby-Verbandes, hat am Sonntag ein neues Präsidium gewählt. Dabei wurden gleich drei Positionen neu besetzt. Neuer Mann an der Spitze des olympischen Sportverbandes ist der in Neuseeland geborene Robin J. Stalker (im Foto links). Er tritt die Nachfolge des vor mehreren Wochen zurückgetretenen Klaus Blank an. Den Posten des Vizepräsidenten für Finanzen übernimmt ab sofort Martin C. Bornhofen.

Robin J. Stalker war unter anderem mehrere Jahre im Executive Board der adidas AG tätig und zudem lange Finanzvorstand des Unternehmens. Dazu bekleidet er Funktionen in den Aufsichtsräten so namhafter Unternehmen wie der Commerzbank, der Schaeffler AG und der Schmitz Cargobull AG.

Als gebürtiger Neuseeländer ist Stalker mit dem Rugbysport aufgewachsen und spätestens durch seine langjährige Vorstandsarbeit bei adidas und der Verbindung zum neuseeländischen Rugby-Verband und den All Blacks vertraut mit dem Sport auf höchstem Niveau. Seit 2013 ist er zudem Schirmherr des bayrischen Rugby-Verbandes.

Martin C. Bornhofen, der das Amt des Vizepräsidenten Finanzen im DRV übernimmt, ist Partner bei der international tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und betreut seit über 17 Jahren internationale Unternehmen. Seit 2017 leitet Bornhofen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im deutsch-französischen Korridor der KPMG.

Der 44-jährige Wahl-Düsseldorfer hat seine Leidenschaft für den Rugbysport ab 2014 entdeckt, als er beruflich in Paris ansässig war. Die Anziehungskraft, der Stellenwert und das Potenzial des Sports haben ihn nachhaltig beeindruckt und stellen eine zentrale Motivation für ihn dar, einen Beitrag für die Weiterentwicklung dieses Sports in Deutschland zu leisten. Selbst aktiv gespielt hat der Familienvater nicht.

Herr Stalker, Herrn Bornhofen, was hat Sie in diesen bewegten Zeiten im deutschen Rugby dazu bewogen, für das Präsidium des DRV zu kandidieren?
Robin J. Stalker: Das deutsche Rugby steckt derzeit in einer schwierigen Phase. Gleichzeitig bietet es großes Entwicklungspotenzial und aufregende Möglichkeiten. Aber wir brauchen dafür eine Klarheit in Sachen Strategie und Struktur. Ich fühle mich geehrt, dass ich die Möglichkeit bekomme, meine Management-Erfahrung mit meiner Leidenschaft zu kombinieren, um das deutsche Rugby weiter zu entwickeln.

Martin C. Bornhofen: Nach Gesprächen im Vorfeld mit Robin J. Stalker waren wir uns einig, dass die Aufgaben, vor denen das deutsche Rugby steht, keine einfachen sind. Wir haben aber eine einheitliche Vorstellung über die anstehenden Herausforderungen, und wir sind beide gewillt, diese anzugehen. Die konstruktive Diskussion im Vorfeld sowie der auf dem DRT zu Ausdruck gebrachte Wille zur gemeinsamen Weiterentwicklung haben mich darin bekräftigt.

Herr, Stalker, Sie haben sich die Professionalisierung der Strukturen des deutschen Rugbys, die Steigerung der Attraktivität dieses Sports für Sponsoren bei gleichzeitiger Erhöhung der öffentlichen Wahrnehmung des deutschen Rugbys auf Ihre Fahnen geschrieben. Wie ist das aus Ihrer Sicht kurz bis mittelfristig umzusetzen?
Robin J. Stalker: Ich denke, diese verschiedenen Herausforderungen sind eng miteinander verzweigt. Es fängt damit an, dass man klare und realistische Ziele formulieren muss. Dann muss man sich über eine Strategie einig werden, die alle Beteiligten mit tragen können. Und zugleich müssen wir versuchen sicherzustellen, dass die nötigen Ressourcen verfügbar sind, um diese Strategie auch umsetzen zu können. Wichtig ist, dass unsere Partner und Sponsoren sich mit dem Verband und der Strategie identifizieren können und dass sie uns Vertrauen entgegen bringen. In der Praxis brauchen wir dafür eine hervorragende Kommunikation und eine größtmögliche Transparenz in allen Bereichen.

Herr Bornhofen, Sie sind vom Rugby in Frankreich, wo es Volkssport ist, beeindruckt. Wo sehen Sie aber im deutschen Rugby erste Handlungsansätze, den DRV auf eine gestärkte finanzielle Grundlage zu stellen?
Martin C. Bornhofen: Um als Volkssport anerkannt zu werden, bedarf es einer großen Akzeptanz in der Bevölkerung. Diese Akzeptanz haben wir in Deutschland für Rugby aktuell noch nicht. Ob und wie schnell wir diese erreichen, hängt vom Ambitionierungsgrad unserer Strategie und deren Umsetzung ab. Im ersten Schritt bedarf es aus meiner Sicht daher der Klarstellung der Ziele des Verbandes, um neben den erforderlichen Maßnahmen insbesondere den daraus resultierenden Finanzbedarf zu ermitteln. Im nächsten Schritt werden wir uns fragen, wie wir die für die Erreichung dieser Ziele erforderlichen Mittel generieren. Für mich sind dabei zwei Aspekte relevant: Die Strategie muss durch eine breite Mehrheit der Landesverbände und Vereine getragen, aktiv unterstützt und daher mit diesen abgestimmt sein. Zum Zweiten ist für eine ausbalancierte finanzielle Grundlage entscheidend, dass die Mittelherkunft auf mehrere Schultern verteilt wird. Darüber hinaus müssen Herkunft sowie Verwendung der Mittel transparent und nachvollziehbar sein. Nur so erreichen wir den Rückhalt aller Mitglieder und damit deren weitere Zustimmung zur voranschreitenden Professionalisierung.

Was haben Sie sich für die Gespräche mit den sportlich Verantwortlichen des DRV wie dem Sportdirektor sowie den Bundes- und Nationaltrainern vorgenommen?
Martin C. Bornhofen: Vor allem zuzuhören! Als jemand, der die Sportart nie persönlich praktiziert hat, bin ich auf die Gespräche mit den sportlich Verantwortlichen gespannt und werde diese zeitnah suchen. Die Einschätzung der sportlich Verantwortlichen wird einen wesentlichen Beitrag zur Formulierung der Ziele des Verbands darstellen. Meine Erwartung ist, dass wir hieraus nicht nur Ziele für die Erreichung bestimmter Wettbewerbe diskutieren, sondern auch besprechen, wie viele neue Mitglieder und Vereine wir in den nächsten Jahren anstreben. Dazu gehört für mich hier insbesondere die Frage, wie wir die Nachwuchsarbeit ausgestalten.

Sie als Präsidium haben in den nächsten Tagen oder Wochen einen Vorstand zu benennen. Welche Qualitäten müssen Kandidaten dafür mitbringen?
Robin J Stalker: Gradmesser und Ausgangspunkt ist die neue Satzung, die der ADRT im Januar 2018 verabschiedet hat. Darin wurde klargestellt, dass der Vorstand die operativen Geschäfte führt und das Präsidium im Sinne eines Aufsichtsrates den Vorstand bestellt, abbestellt und überwacht. Als Präsidium sehen wir unsere Aufgabe – neben den diesen Rechten und Pflichten – aber auch darin, den Vorstand partnerschaftlich zu beraten. Die jeweiligen Anforderungsprofile der drei satzungsmäßig vorgesehenen Vorstände sollten sich aus der zu definierenden Strategie ableiten. Von daher erwarte ich, dass die Zusammensetzung des Vorstandes erst nach Abschluss dieser Strategiediskussion im Präsidium erörtert und entschieden wird.

Zuletzt wurde oft eine Professionalisierung gefordert. Als Vorbilder wurden Sportarten wie Eishockey, Volleyball und Handball angeführt. Wie realistisch sind für das deutsche Rugby solche Vergleiche?
Robin J. Stalker: Solche Vergleiche sind immer interessant und lehrreich. Ich bin überzeugt, dass wir durch den Vergleich mit anderen Sportarten sowie Prozessen und Systemen in anderen Ländern wertvolles lernen können. Darüber hinaus ist es für uns aber wichtig zu verstehen, was aktuelle und potentielle Sponsoren sowie andere Geldgeber vom DRV erwarten. Von daher befürworten wir einen 360-Grad-Ansatz zum Dialog. Veränderungen in Vorstand und Präsidium sehen wir als Chance, einen Dialog mit Vereinsmitgliedern, Vertragspartnern, aktuellen und potentiellen Sponsoren neu anzustoßen, um deren Interessen besser verstehen und berücksichtigen zu können. Mit Blick auf eine Peer Group sollten wir wohlüberlegt definieren, wer für uns diese relevante Peer-Group darstellt. Die entsprechenden Rückschlüsse werden wir bei der Strategiefindung für das deutsche Rugby berücksichtigen. Aber auch hier gilt, dass wir erst die Strategie formulieren und dann die Strukturen entsprechend anpassen.

Welchen Zeitraum haben Sie sich für die Umsetzung ihrer ambitionierten Ziele gesetzt?
Martin C. Bornhofen: Da die Pläne im Sinne einer Strategie für den DRV noch nicht konkretisiert sind, lässt sich derzeit weder ein belastbarer Zeitplan noch eine finanzielle wie personelle Planung bestimmen. Wenn ich die Stimmung am diesjährigen DRT richtig deute, ist die gemeinsame Aufbruchsstimmung aber groß, und dieses Momentum wollen wir gerne nutzen. Grundsätzlich ist unser Bestreben, die am DRT angesprochenen Themen zu priorisieren und kurzfristig anzugehen.

Einstimmig – wie auch die beiden neuen Präsidiumsmitglieder – in die Position des Vizepräsidenten für Leistungssport gewählt wurde Michael Schnellbach. Der Mannheimer ist Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2023. Er hat über 20 Jahre Bundesliga gespielt, war war beim Heidelberger TV, in der Baden-Württemberg-Auswahl und der Studenten-Nationalmannschaft aktiv. Ab 2007 war er für die 7er-Teams des DRV verantwortlich, erst als Teammanager und ab 2011 als Vizepräsident.

Das Präsidium wird komplettiert durch die Vorsitzender der Deutschen Rugby-Jugend, Romana Thielicke, die Vorsitzender der Deutschen Rugby-Frauen, Anne Hoffmann, Jens Poff als Vizepräsident für den Bundesliga-Spielbetrieb, Jörg Behrndt als Vertreter der Landesverbände sowie Ralf Tietge, der für die deutschen Schiedsrichter spricht. Diese Mitglieder mussten nicht vom Deutschen Rugby-Tag gewählt werden.

Mit Standing Ovations wurden auf dem Deutschen Rugby-Tag die bisherigen Vizepräsidenten Jürgen Zeiger und Hans Wallenwein verabschiedet. Wallenwein wurde darüber hinaus ins Ehrenpräsidium des Verbandes aufgenommen.

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