Deutschland gegen Russland 2018

Gastbeitrag: Überlegungen zur Entwicklung des Rugbysports in Deutschland

Der Rugbysport kam in den 80er-Jahren des vorvergangenen Jahrhunderts nach Deutschland. Allerdings konnte er im Vergleich zum Fußball, mit dem er anfangs organisatorisch noch verbunden war, in Deutschland nur sehr begrenzt Anhänger gewinnen.

Die Vereine des Deutschen Rugby-Verbandes zählten im Jahr 2016 14’000 Mitglieder.

Als Flaggschiffe zur Schaffung von Aufmerksamkeit für den deutschen Rugbysport und dessen weitere Verbreitung sollten in den vergangenen Jahren erklärtermaßen die beiden Herren-Nationalmannschaften genutzt werden. Überwiegend ein einzelner privater Mäzen sorgte in den letzten Jahren dafür, daß sich die Herren-Nationalmannschaften sportlich deutlich verbessern und 2016 erstmals in einem dem Fußballsport vergleichbaren Rahmen ihre Länderspiele durchführen konnten. Die Mitgliederzahlen in den deutschen Rugbyvereinen, die flankierend die Fan- und Spielerbasis verstärken wollten, wuchsen leider nicht in diesem Maße mit.

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Für die Zukunft stellt sich nun die Frage, auf welche Weise sich der deutsche Rugbysport weiterentwickeln möchte.

  • Sollen die Nationalmannschaften weiterhin als herausragende Flaggschiffe für den Rugbysport dienen?
  • Wie kann der Breitensport in der Entwicklung mithalten?
  • Wie organisiert sich der Deutsche Rugby-Verband, um die Verbreitung seiner Sportart in Deutschland wirksam zu fördern?

Falls die Nationalmannschaften weiterhin als Zugpferd für die Sportart dienen sollen: Wie rekrutieren und finanzieren sich diese?

Derzeit sind die Herren-Nationalmannschaften semi-professionell aufgestellt. Sie rekrutieren sich überwiegend aus hauptberuflich tätigen Rugby-Trainern und staatlich besoldeten Sportsoldaten.

Die Schaffung von Nationalmannschaften mit hauptberuflich angestellten Vertragsspielern wäre international ein Unikum und für den Deutschen Rugby-Verband wahrscheinlich auch nur schwer finanzierbar. Wenn sich die deutschen Nationalspieler künftig, um international sportlich mithalten zu können, aus dem Kreis hauptberuflicher Vertragsspieler der deutschen Rugbyvereine rekrutieren sollen, dann bräuchten wir in Deutschland künftig eine oder mehrere Profi-Vereinsmannschaften als Rekrutierungsbasis.

Hat dies der Deutsche Rugby-Verband (DRV) in seinen Planungen bereits angedacht und falls ja, in welchem zeitlichen Rahmen möchte er dieses Ziel erreichen? Im Jahr 2012 wurde im DRV eine Strukturkommission eingesetzt, deren Empfehlungen bis im Jahr 2017 noch nicht vollständig implementiert wurden. Anscheinend plant der DRV sehr langfristig, aber wird er sich seine bisherige Umsetzungsgeschwindigkeit auch in Zukunft noch leisten können?

Unsere Gesellschaft wandelt sich durch die 4. industrielle Revolution gerade von einer Arbeits- in eine Freizeitgesellschaft. Insofern stehen die Zeichen für den deutschen Rugbysport günstig. Andererseits befinden sich die einzelnen Sportarten im Wettbewerb um Fans, Spieler und Geldgeber.

Mehr Förderung, bessere Vermarktung, größere Reichweite: Unter diesen Schlagwörtern haben im Frühjahr fünf deutsche Spitzensportverbände ihre gemeinsamen Ziele gebündelt. Unter dem Namen „Teamsport Deutschland“ hat sich eine Interessengemeinschaft aus Fußball (DFB), Handball (DHB), Basketball (DBB), Eishockey (DEB) und Volleyball (DVV) geformt, um den Mannschaftssportstandort Deutschland stabil aufzustellen, im internationalen Vergleich zu stärken und so eine größere gesellschaftliche Relevanz zu schaffen.

Der Deutsche Rugby-Verband ist nicht dabei.

 

Hinweis: Mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Schnabel, der diesen Gastbeitrag zuerst auf LinkedIn veröffentlichte und um Veröffentlichung auf GRS bat. Dieser Bitte kommen wir sehr gerne nach.

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