Interview mit Manuel Wilhelm: „15er-Rugby als Marke fest im DRV verankert“

Das deutsche Rugby ist auf einem guten Weg. Nicht nur die jüngsten Erfolge im 7er-Rugby zeigen das deutlich. Auch das 15er-Team der Männer konnte sich in den letzten Jahren in der Weltrangliste sukzessive nach oben arbeiten. Kurz vor dem nächsten Highlight, der Länderspielserie in Leipzig, Wiesbaden und Offenbach, gibt DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm Auskunft über seine Arbeit den letzten Jahren.

Manuel Wilhem, haben Sie eigentlich noch Muße genug, auf die letzten intensiven Monate zurückzuschauen?
Wilhelm:Manchmal fällt es tatsächlich schwer, sich vom hektischen Alltagsbetrieb zu lösen, um ein Resümee ziehen zu können. Dabei ist es enorm wichtig. Schließlich können wir feststellen, dass es gerade in der letzten Zeit doch erhebliche Veränderungen zum Besseren gegeben hat. Und aus den Erfolgen der Vergangenheit holt man sich immer mal wieder die Motivation für die Zukunft, wenn es gerade mal nicht so gut läuft.

Was meinen Sie, wenn Sie von Veränderungen zum Besseren sprechen?
Wilhelm:Vor allem kann man das an der sportfachlichen Struktur des Verbandes ablesen. Als ich damals als Leistungssportreferent im DRV anfing, war ich ja praktisch Einzelkämpfer in diesem Bereich. Die Geschäftsstelle mit Volker Himmer und Natascha Evers war und ist ja heute noch mit dem administrativen Tagesgeschäft mehr als ausgelatstet. Erst mit der Einführung meiner damaligen Position konnte der Verband gegenüber dem DOSB erstmalig eine nachhaltige strukturelle Arbeit in diesem Bereich nachweisen. Das war vorher aufgrund der Personalressourcen gar nicht möglich.

Und diese Struktur hat sich dann in den letzten Moanten noch mal grundlegend verändert.
Wilhelm:Zum Glück, denn nur mit weiteren Investitionen in die sportfachliche Struktur ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Sportart möglich. Mein Wechsel auf den Posten des Sportdirektor war einerseits notwendig, um die sportlichen Strukturen zu festigen und andereseits enorm wichtig, um einen neuen Blickwinkel einnehmen zu können. In meiner jetzigen Position habe ich noch mehr die Möglichkeit, den sportlichen Prozess mit einem kritischen Blick zu begleiten. Das war als Leistungssportreferent kaum möglich. Daneben werden jetzt zwei Leistungssportreferenten – eine Stelle für die 15er haben wir ja gerade neu ausgeschrieben – die Organsition der Mannschaften weiter professionalisieren. Außerdem wollen wir alsbald einen hauptamtlichen „Head of Physical Performance“ anstellen, der die körperliche Entwicklung unser aktuellen und künftigen Nationalspieler im Auge behält und hier ganz besonders auf die Gesundheit der Sportler achtet. Darüber hinaus haben wir seit 1,5 Jahren eine OSP-Trainerstelle, seit August – erstmals seit dem Ausscheiden von Peter Ianusevic 2012 – wieder einen Bundestrainer in Vollzeit, und wir konnten mit Chris Lane einen Technik-Bundestrainer anstellen. Das ist eine Gesamtstruktur, die es vor ein paar Jahren noch nicht mal im Ansatz gab und die uns in die Lage versetzt, die Entwicklungen, die der DOSB von uns erwartet, auch erfüllen zu können und damit die finanzielle Unterstützung durch das BMI sichert.

Diese Struktur hat aber doch vor allem dem olympischen 7er-Rugby eine Weiterentwicklung beschert. Muss man denn jetzt den Traum, einmal an der 15er-WM der Männer teilnehmen zu können, begraben?
Wilhelm:Das ist ein vollkommen falsches Bild, und leider hat sich das in der Rugby- Community teilweise einfach so verfestigt. 15er-Rugby ist als Marke fest im deutschen Rugby verankert. Dies gilt auch für den DRV. Das zeigt ja gerade die Installation eines neuen hauptamtlichen Leistungssportreferenten für das 15er. Und auch bei den Länderspielen in Deutschland ist ja viel passiert. Dort hat sich die Begeisterung bei unseren Fans und auch den vielen Rugbyfremden noch einmal verstärkt. Gerade das Umfeld mit den modernen Fußballstadien wie zum Beispiel in Wiesbaden oder Offenbach, sowie die Live-Übertragungen auf DAZN und Sport1, haben dazu beitragen.

Und sportlich?
Wilhelm:Da haben wir doch Einiges vorzuweisen. Die Leistungen in der letzten EM-Spielrunde hat doch allen oft Spaß gemacht. Die WM-Teilnehmer Uruguay und Rumänien zu schlagen, das galt doch lange Zeit als „unmöglich“. Auch wenn am Ende die Luft noch einmal etwas dünn wurde, Kobus Potgieter, sein Trainerteam und die Spieler haben hier hervorragende Arbeit geleistet und können zu Recht mit breiter Brust in die November-Tests gehen.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber doch wohl auch, dass ohne die Unterstützung der WRA und Herrn Dr. Wild diese Entwicklung nicht möglich gewesen wäre.
Wilhelm:Richtig, und das wurde ja vom DRV in jeder Phase der Partnerschaft anerkannt und betont. Dr. Wild hat einen hohen persönlichen Anteil an dieser Entwicklung, und die WRA mit ihren vielen Möglichkeiten unterstützt ja auch weiterhin diesen Weg. Ich hoffe, die momentanen Schwierigkeiten in den Gesprächen zwischen dem DRV und Dr. Wild können schnell überwunden werden. Beide haben doch das gleiche Ziel: Rugby soll in Deutschland weiter wachsen und noch erfolgreicher werden – im 7er genauso wie im 15er.

Dafür soll ja auch ein Projekt sorgen, dass Sie persönlich mit angeschoben haben. Die DHL Oktoberfest 7s vor wenigen Wochen soll keine einmalige Veranstaltung bleiben, oder?
Wilhelm:Nein, dass war ja von Anfang an die klare Aussage dahinter. Es soll ein jährliches Event entstehen, das bestenfalls einmal zu den Turnieren der World Series gehören könnte. Ich bin sehr froh, dass schon jetzt feststeht, dass es 2018 am 5./6. Oktober eine weitere Auflage geben wird. Die damalige private Initiative von Ex-Nationalspieler Mathias Entenmann, Till Behnke und mir entstand ja aus einer Bierlaune heraus. Zu diesem Zeitpunkt war meine hauptamtliche Tätigkeit beim DRV ja überhaupt noch nicht absehbar. Mittlerweile beschränkt sich meine Rolle nur noch darauf, den Erstkontakt zu den Teilnehmern herzustellen und dem Organisationsteam beratend zur Seite zu stehen, wenn es darum geht, welchen Standard die Teams auf einem solchen Turnier erwarten. Das ist im Übrigen ohnehin meine Aufgabe als Sportdirektor.

Und wie war das Feedback von offizieller Seite?
Wilhelm:World Rugby war sehr zufrieden, und wir sind im Ansehen des Weltverbands durch diese sehr professionell organisierte Veranstaltung weiter gestiegen. Auch der DOSB hat uns zu der tollen Veranstaltung und vor allem zu der sportlichen Leistung unserer Mannschaft gratuliert. Zudem waren zahlreiche weitere Partner des DRV vor Ort und haben die Chance genutzt, sich selbst einmal ein Bild vom Potenzial des deutschen Rugbys zu machen. Das Feedback war ausgesprochen positiv und verstärkt die momentan herrschende Aufbruchstimmung zusätzlich.

(C) der Meldung und Bild bei Deutscher Rugby Verband

2 Gedanken zu „Interview mit Manuel Wilhelm: „15er-Rugby als Marke fest im DRV verankert“

  • 3. November 2017 um 16:14
    Permalink

    schändlicher Sportdirektor

  • 3. November 2017 um 16:36
    Permalink

    Hinweis: Auch solche Kommentare werden hier veröffentlicht.

    Wäre interessant zu lesen, warum Manuel Wilhelm ein „schändlicher Sportdirektor“ ist. Also bitte bisschen mehr Butter bei die Fische machen.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das:
Zur Werkzeugleiste springen