Europameisterschaft U18 7er Rugby 2017

Doppel-Interview: „Das deutsche Rugby hat einen großen Schritt gemacht“

Mit den DHL Oktoberfest 7s gelang zuletzt der sportliche Beweis, dass die sich Truppe des neuen Trainers Vuyo Zangqa im Feld der erweiterten Weltspitze behaupten kann. Kaum ist dieses Highlight in Deutschland jedoch Geschichte, da stehen schon die nächsten Rugby-Hochkaräter auf dem Programm. In den nächsten Wochen steht wieder die 15er-Nationalmannschaft im Fokus des Interesses. Drei sportlich ambitionierte Gegner werden ihre Visitenkarten in Leipzig, Wiesbaden und Offenbach abgeben und der DRV XV Einiges abverlangen. Sportlicher Höhepunkt wird dabei natürlich die Begegnung gegen WM-Teilnehmer USA sein, der über den momentanen Leistungsstand des DRV-Teams und deren Entwicklung sicherlich Auskunft geben wird.

Auch beim Deutschen Rugby-Verband selbst war es zuletzt eine intensive Zeit. Im Doppelinterview lassen DRV-Präsident Klaus Blank wie auch Geschäftsführer Volker Himmer die arbeitsreichen letzten Monate Revue passieren und wagen einen Ausblick in die Zukunft.

Herr Blank, schaut man mal auf die letzten Monate zurück, so kann man sicherlich von bewegten Zeiten sprechen, oder?
Blank: „Dem Satz kann ich nur zustimmen. In den letzten Monaten mussten wir immer wieder Entwicklungen analysieren, uns auf neue Voraussetzungen einstellen und teilweise auch schwierige Entscheidungen treffen. Schon beim Rugby-Tag in Hannover im Juli hatte sich ja angedeutet, dass wir hier auch Entwicklungen Rechnung tragen müssen, die wir selbst nicht in der Hand haben.“

Ist damit auch die Entwicklung in der Zusammenarbeit mit der WRA gemeint?
Blank: „Ja, die Zusammenarbeit mit der WRA ist einer dieser Punkte, wenn auch nicht der einzige. Ich persönlich bedauere es sehr, dass wir momentan scheinbar keinen Weg zueinander finden. Ich muss aber auch deutlich sagen: Das liegt nun nicht allein an uns. Meinem Verständnis nach ist es bei schwierigen Themen immer so, dass beide Verhandlungsparteien aufeinander zugehen müssen. Damit will ich aber nicht sagen, dass die grundsätzliche Bereitschaft bei beiden Parteien nicht vorhanden war. Vielmehr ist es uns nicht gelungen, das gegenseitige Verständnis füreinander rechtzeitig in ein für beide Seiten akzeptables Dokument zu übertragen. Am Ende hat sich die Diskussion meiner Einschätzung nach zu stark auf der emotionalen Ebene bewegt. Das ist immer schwierig und hat leider zu der aktuellen Situation geführt, die ich sehr bedaure, weil sie der Entwicklung des deutschen Rugbys nicht helfen wird.“

Kann sich die Situation denn unmittelbar auf den sportlichen Bereich auswirken?
Himmer: „Das ist erst einmal nicht abzusehen. Der DRV ist bestrebt und wird alles Mögliche versuchen, bei den drei kommenden 15-er Länderspielen eine Top-Truppe auf den Platz zu stellen. Aber wir können eben auch keinen Spieler dazu zwingen, für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen.“

Das wäre doch extrem bedauernswert…
Himmer: „Nicht nur das, es wirft meiner Ansicht nach auf die tolle Arbeit aller Parteien in den letzten Monaten ein vollkommen falsches Licht. Schaut man sich die sportliche Entwicklung bei den DRV-Teams einmal genauer an, so kann man sicherlich durchaus stolz auf das Geleistete sein. Die 7er-Männer spielen jetzt bereits zwei Jahre auf einem beachtlichen Niveau, das uns vor einiger Zeit von Vielen gar nicht zugetraut wurde. Noch knapp an der Qualifikation zur World Series in Hongkong im Frühjahr gescheitert, lieferten die Jungs um Vuyo Zangqa jetzt bei den DHL Oktoberfest 7s eine tolle Vorstellung ab. Das hat mich extrem gefreut, weil ich weiß, wie viel Engagement Manuel Wilhelm als Sportdirektor in vielen Bereichen für unseren Verband leistet. Dahinter steckt ganz viel Herzblut und genauso viel Fachwissen. Ich würde mir wünschen, dass die Entwicklung und die momentane Stabilität dieser Mannschaft an der einen oder anderen Stelle mehr Beachtung finden würde.“

Heißt das, jetzt kümmert sich der DRV nur noch um die olympische Sportart 7er-Rugby?
Blank: „Nein, das ist auf keinen Fall so. Diese Diskussion halte ich für überflüssig und kontraproduktiv. Fakt ist, die Förderung der 7-er Teams durch das BMI kann nur in die olympische Sportart fließen. Nur mit dieser Förderung konnten wir die Stellen eines Sportdirektors und eines Leistungssportreferenten überhaupt besetzen. Die hatten wir vor ein paar Jahren ja überhaupt noch nicht. Und ausschließlich diese Entwicklung ist der Grund für die Ergebnisse dieses Teams in der letzten Zeit. Auf der anderen Seite haben wir die 15er-Nationalmannschaft, die ebenfalls in den letzten Jahren eine sehr gute, um nicht zu sagen rasante Entwicklung genommen hat. Schon im zweiten Jahr konnten wir die Klasse in der Europameisterschaft ohne große Probleme sichern. Und das mit zum Teil überragenden Ergebnissen wie gegen Rumänien. Daran hat die WRA und Dr. Wild persönlich den Hauptanteil. Der Verband schuldet allen diesen Personen großen Dank.“

Himmer: „Umso trauriger sind wir alle, dass diese direkte Unterstützung durch die WRA wohl erst einmal nicht weiter geht. Schaden nimmt hier das gesamte deutsche Rugby. Gerade bei den 15ern haben wir ja in den letzten beiden Jahren nicht nur auf dem Platz Fortschritte erzielt. Auch im Umfeld konnten in der Zusammenarbeit mit der WRA einige Erfolge erzielt werden. Ich glaube schon, dass die jetzt scheinbar ausweglose Situation viel damit zu tun hat, dass die von Klaus Blank angesprochenen Kommunikationsprobleme Überhand nahmen. Dürfte ich mir diesbezüglich etwas wünschen, dann sicherlich die Rückkehr auf eine Sachebene, bei der die Partner das Ziel, Rugby partnerschaftlich weiterzuentwickeln, wieder fest im Blick haben.

War das Ziel, die Weiterentwicklung des Rugbysports in Deutschland, nicht mehr gegeben?
Himmer: „Dieses Ziel ist natürlich die Grundlage allen Handelns eines Sportverbandes, und auch die WRA und Dr. Wild hatten dies fest im Fokus. Die WRA hat tolle Projekte entwickelt, die Rugby in Deutschland bekannter gemacht und weiterentwickelt haben. Die 15er wären ohne die Unterstützung von Dr. Wild nicht so weit in ihrer Entwicklung gekommen, wahrscheinlich sogar in dieser Form nicht mehr existent. In so einem Prozess gibt es aber immer wieder Zeitpunkte, da geht es dem einen oder anderen nicht schnell genug. Vielleicht ist unter diesem Eindruck das Verständnis füreinander immer mal wieder abhanden gekommen. Der DRV ist ein e.V. und wird in großen Teilen vom BMI finanziell unterstützt. Das hat zur Folge, dass formale Rahmenbedingungen die eine oder andere wünschenswerte Entwicklung behindern oder sogar unmöglich machen. Aber mit der entsprechenden Energie und dem gegenseitigen Verständnis ist eine Lösung nach meinen Erfahrungen immer möglich.“

Was heißt das jetzt für die Zukunft des Verbandes?
Blank: „Erst einmal freuen wir uns auf die kommenden Länderspiele. Der DRV wird alles in seinen Möglichkeiten Stehende dafür tun, damit diese wieder große Rugbyfeste werden. Ganz Rugby-Deutschland muss für eine weitere positive Entwicklung auch etwas tun. Niemand seitens des DRV nimmt für sich in Anspruch, immer alles richtig zu machen oder einzuschätzen. Auch beim DRV werden Fehler gemacht. Ich würde mir aber wünschen, dass wir in diesen Zusammenhang das eine oder andere Mal die Diskussion versachlichen und einbeziehen, unter welchen schwierigen Bedingungen teilweise gearbeitet werden muss. Rugby ist noch eine Randsportart. Und mit dem Wissen kann ich sagen, wir haben in den letzten Jahren einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Auch wenn ich weiß, es müssen noch weitere folgen.“

Himmer: „Ich denke, der Verband ist für die Zukunft ganz gut aufgestellt. Für die 7er-Mannschaften konnte mit Hilfe des DOSB in den letzten Jahren eine funktionierende Struktur geschaffen werden. Die Erfolge belegen dies eindrucksvoll. Die 15er-Mannschaft hat sich kontinuierlich gesteigert, und dort müssen wir jetzt ähnliche Strukturen aufbauen. Insgesamt müssen wir aber natürlich weiter an der Breite in den Kadern beider Teams arbeiten, um dann langfristig vielleicht auch mal die Kader trennen zu können. Dies ist derzeit leider noch nicht vollständig möglich, und die immer mal wieder aufkeimende Diskussion, wie man mit der Problematik umgehen soll, wird viel zu emotional geführt. Teilweise auch mit zu wenig Hintergrundwissen. Wir dürfen auf unserem Weg nicht ungeduldig werden. Ungeduld ist hier der größte Feind des nachhaltigen Erfolges. Aber neben den beiden Mannschaften haben wir ja noch mehr vorzuweisen. So konnte die 15er-Nationalmannschaft der Frauen wieder reaktiviert werden, die 7er-Frauennationalmannschaft ist in die höchste europäische Spielklasse aufgestiegen, und auch bei den Jugendteams haben wir eine gute Entwicklung genommen. Gerade hier gilt der Dank den vielen Unterstützern, die Grundlage für diese erfreuliche Tendenz sind.“

 

(C) der Meldung bei Deutscher Rugby Verband

Beispielgrafik aus dem Archiv.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das:
Zur Werkzeugleiste springen